Biologisches Alter Arzt

Was ist biologisches Alter?
Warum biologisches Alter messen?
Wie wird biologisches Alter gemessen?
Prädiktiver Wert: Biologisches Alter vs. kalendarisches Alter
Frühesterkennung des Early Vascular Aging Syndroms (EVA)

Was ist biologisches Alter?
Altern wird oft definiert als der allmähliche und unumkehrbare Verfall physiologischer Funktionen. Zwar ist dieser alterungsbedingte Funktionsverfall ein universelles Phänomen, nicht aber die Rate, mit der er sich im einzelnen Menschen manifestiert.Biologisches Alter wird deshalb als jene Größe bezeichnet, die den Funktions- und Gesundheitszustand eines Menschen besser beschreibt als das kalendarische Alter.

Warum biologisches Alter messen?
Die Manipulierbarkeit der physiologischen Funktionsveränderungen, die das biologische Alter kennzeichnen, macht letzteres zur leistungsfähigsten Messlatte für individualisierte präventive Interventionen. Schließlich deuten Diskrepanzen zwischen biologischem und kalendarischem Alter immer auf einen beschleunigten oder verlangsamten Alterungsprozess hin, und damit auf ein erhöhtes oder reduziertes Krankheits- und Sterberisiko. Kein anderer Messwert bildet den globalen Prozess des Alterns besser ab.

Wie wird biologisches Alter gemessen?
Eine direkte Messung des biologischen Alters per se ist naturgemäß nicht möglich. Es kann immer nur aus der Vielzahl jener Funktionsparameter abgeleitet werden, die den Alterungsprozess ursächlich bestimmen. Der herkömmliche reduktionistische Ansatz einer regressionsbasierten Ableitung des biologischen Alters aus einzelnen Biomarkern scheitert aber an der enormen Komplexität des menschlichen Alterungsprozesses (Sprott, 2010).   Deshalb liegen der Messung des biologischen Alters neuste mathematische Ansätze zugrunde, die diese Komplexität besser abbilden. Das proprietäre vasometrix Verfahren stützt sich auf diese neuen Ansätze. Damit gelingt es, die Vielzahl der am Alterungsprozess ursächlich beteiligten vaskulären Biomarker und deren gegenseitige Interaktionen in jene Variable – das vaskuläre Alter – zu übersetzen, die eine grundlegende Erkenntnis der Medizin beschreibt: der Mensch ist so alt wie seine Gefäße.

Prädiktiver Wert: Biologisches Alter vs. kalendarisches Alter
Der überragende prädiktive Mehrwert des biologischen Alters zeigt sich im Vergleich zu dem alle herkömmlichen Risikoscores dominierenden kalendarischen Alter (Belsky et al., 2015).
In allen Risikoscores (Framingham, PROCAM, SCORE u.a.) marginalisiert das kalendarische Alter alle anderen Parameter der Risikoprädiktion (bspw. Blutdruck, Cholesterin, Blutzucker etc.) so sehr, dass es deren Kosten-Nutzen Bilanz in Frage stellt (Wald, Simmonds, & Morris, 2011). Darüber hinaus versagen alle verfügbaren Risikoscores für die Früherkennung zukünftigen Risikos in jungen Erwachsenen, sodass einschlägige Leitlinien deren Anwendung frühestens ab dem 40. Lebensjahr empfehlen (Perk et al., 2012). Genau hier aber liegt der besondere Mehrwert des biologischen Alters:

Frühesterkennung des Early Vascular Aging Syndroms (EVA)
Die vom kalendarischen Alter unabhängige Messung des tatsächlichen biologischen Alters und des Tempos des Alterungsprozesses ermöglicht erstmals die Erkennung des frühesten Stadiums der endothelialen Fehlfunktion sowie deren Therapie und den damit verbundenen Schutz vor Endorganschäden lange bevor die üblichen Risikoparameter ansprechen. Dies ist auch der Tatsache geschuldet, dass alle Parameter der herkömmlichen Scores lediglich Surrogatparameter für jene physiologischen Funktionen sind, deren Veränderungen den globalen Alterungsprozess bestimmen.

Belsky, D. W., Caspi, A., Houts, R., Cohen, H. J., Corcoran, D. L., Danese, A., … Moffitt, T. E. (2015). Quantification of biological aging in young adults. Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America. http://doi.org/10.1073/pnas.1506264112

Perk, J., De Backer, G., Gohlke, H., Graham, I., Reiner, Z., Verschuren, M., … Wolpert, C. (2012). European Guidelines on cardiovascular disease prevention in clinical practice (version 2012): The Fifth Joint Task Force of the European Society of Cardiology and Other Societies on Cardiovascular Disease Prevention in Clinical Practice (constituted by re. European Heart Journal. http://doi.org/10.1093/eurheartj/ehs092

Sprott, R. L. (2010). Biomarkers of aging and disease: Introduction and definitions. Experimental Gerontology. http://doi.org/10.1016/j.exger.2009.07.008

Wald, N. J., Simmonds, M., & Morris, J. K. (2011). Screening for future cardiovascular disease using age alone compared with multiple risk factors and age. PLoS ONE, 6(5), e18742. http://doi.org/10.1371/journal.pone.0018742PONE-D-11-02770 [pii]