Gefäßfunktion-Peripher-Arzt

Prävalenz, Komorbidität & Risiko

In Deutschland leidet jeder fünfte Patient über 65 Jahre an einer peripheren arteriellen Verschlusskrankheit (pAVK) [1]. Ihre Vergesellschaftung mit koronaren und zerebrovaskulären atherothrombotischen Krankheitsbildern ist die Regel nicht die Ausnahme. Auch die Prävalenzen des Diabetes mellitus, der Hypertonie, Hypercholesterinämie und Hypertriglyzeridämie sind signifikant und substantiell erhöht in mit pAVK belasteten Patientengruppen. Somit ist der pAVK Patient fast immer eine multimorbide Herausforderung für den behandelnden Arzt.

Da die pAVK zukünftige kardio- und zerebrovaskuläre Endpunkte (bspw. Myokardinfarkt & Schlaganfall) vorhersagt, kann die Früherkennung der symptomfreien Stadien eine entscheidende Hilfestellung zur Verringerung des Sterblichkeitsrisikos betroffener Patienten sein.

Knöchel-Arm-Index (ABI): Diagnostischer Goldstandard für pAVK

Der Goldstandard für Diagnose/Ausschluss der pAVK in der klinischen Praxis ist der Knöchel-Arm-Index (ABI – ankle-brachial-index). Zur Ermittlung des ABI wird der supraarterielle Verschlussdruck an A. tibialis anterior & posterior zum Oberarmblutdruck ins Verhältnis gesetzt, wobei der jeweils höhere der beidseitig gemessenen Drucke an der A. brachialis der Berechnung zugrunde gelegt wird.

Beim Gefäßgesunden ist aufgrund der Blutdruckamplifikation der systolische Druck am Knöchel im Vergleich zum Oberarm erhöht.  Als Referenzwert für den Ausschluss einer pAVK gilt ein ABI zwischen 0,9 und 1,3. Druckverhältnisse die deutlich über 1,3 liegen deuten auf eine Mönckebergsklerose hin.

ABI: Manuell vs. Automatisch

Die Ultraschall-unterstützte manuelle Ermittlung des Blutdrucks am Knöchel erfordert ein Aufsuchen des Dopplersignals an der A. tibialis posterior & anterior, das dann mittels proximal am Unterschenkel angelegter Druckmanschette unterdrückt wird.

Im Gegensatz zur manuellen Messung, die eine gewisse Anwenderfertigkeit voraussetzt, ist die Bestimmung des ABI mittels der automatisierten oszillometrischen Erfassung der Pulsdruckkurve von der Anwenderfertigkeit unabhängig, und reduziert die zeitliche Belastung der Praxiskräfte erheblich.

Mehrwert baPWV

Ein weiterer Vorteil ist die Ermittlung der Pulswellengeschwindigkeit (baPWV – brachial-ankle pulse wave velocity) auf der Strecke A. brachialis – A.tibialis die mit der manuellen ABI Messung nicht möglich ist. Die baPWV ist ein anerkanntes Maß für die Gefäßsteifigkeit und korreliert nachweislich mit kardiovaskulären Endpunkten unabhängig vom ABI. So stellt speziell in Patienten mit manifestem Diabetes die Kombination aus niedrigem ABI und erhöhter baPWV eine ungünstigere Prognose als die Kombination aus niedrigem ABI und normaler niedriger baPWV [2, 3].

Was die Anwender sagen

Zitat aus dem Ergebnis einer klinischen Prüfung des VascAssist/vasometrix Systems am Universitätsklinikum des Saarlandes, 2015:

„Die oszillometrische automatische ABI Messung mit dem Gerät VascAssist 2 ist der manuellen ultraschall-basierten Referenzmethode zur Messung des ABI gleichwertig. Aufgrund des geringen Zeitaufwandes für die Messung und der wesentlich reduzierten Anforderung an die Anwenderfertigkeit bietet die automatische Messung mit dem VascAssist den Vorteil eines erheblich gesteigerten Patientendurchsatz ohne Abstriche bei Detektionsrate und falsch positiver Rate.“

 

  1. Diehm, C., et al., High prevalence of peripheral arterial disease and co-morbidity in 6880 primary care patients: cross-sectional study. Atherosclerosis, 2004. 172(1): p. 95-105.
  2. Chang, L.-H., et al., The Combination of the Ankle Brachial Index and Brachial Ankle Pulse Wave Velocity Exhibits a Superior Association with Outcomes in Diabetic Patients. Internal Medicine, 2014. 53(21): p. 2425-2431.
  3. Maeda, Y., et al., Brachial-Ankle Pulse Wave Velocity Predicts All-Cause Mortality and Cardiovascular Events in Patients With Diabetes: The Kyushu Prevention Study of Atherosclerosis. Diabetes Care, 2014. 37(8): p. 2383-2390.